Das deeskalative Kampfkunstsystem Shi Chuan Pai Kung Fu


Das Shi Chuan Pai Kung Fu ist ein deeskalatives Kampfkunstsystem. Es umfasst sowohl Elemente des klassischen Kung Fus als auch Elemente moderner Kampfkünste. Außerdem berücksichtigt es Apekte verschiedener Deeskalations-systeme. Das spiegelt sich nicht nur in der Zielsetzung, sondern auch in der Praxis des täglichen Trainings wider. Dadurch setzt das Shi Chuan Pai Kung Fu eigene Aktzente und unterscheidet sich deutlich von vergleichbaren Kampfkünsten.

           

Wir bieten:

- Deeskalatives Kung Fu Training für Schulklassen aller Altersstufen und Schulformen

- KiMoSchu (Kindermobbingschutz): Kampfkunst zum aktiven Schutz vor Mobbing
- Individuelle Förderung bei Disziplinschwierigkeiten (Grenz-ziehungen, Regelverletzungen)
- Aggressionskontrolltraining (Einrasten statt Ausrasten)
- Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten für Kinder mit sozial-emotionalen Problemen
- Angebote für Kinder mit motorischem Förderbedarf
- Sozialkompetenztraining (für Kinder und Jugendliche)
- Elterncoaching als Unterstützung bei Erziehungsfragen           - Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungstraining              - Supervision für Eltern                                                       - Fortbildungsangebote für Erzieher, Lehrer, Sozialpädagogen     

- Traditioneller Kung Fu Unterricht

Auf Nachfrage stellen wir gerne spezielle Themenbausteine für Sie zusammen!


                  Körperliche Dimension

 

Kognitiv-emotionale               Soziale
               Dimension                     Dimension


Das Shi Chuan Pai Kung Fu betrifft den ganzen Menschen. Insofern geht es über eine eher körperlich orientierte Betätigung, wie das von vielen Ball- oder Kampfsportarten bekannt ist, hinaus. Das ist nichts Neues, denn die meisten Kampfkünste – die sich mit ihrer Bezeichnung als „Kunst“ schon sprachlich von Kampf-„sport“-arten abgrenzen – verstehen sich als ganzheitlich. Das Shi Chuan Pai Kung Fu allerdings ist ein deeskalatives Kampfkunstsystem und legt deswegen bewusst auch auf andere Aspekte des menschlichen Lebens einen Schwerpunkt. Das Shi Chuan Pai Dreieck (siehe oben) symbolisiert die verschiedenen Lebensbereiche, die natürlich zusammengehören und lediglich um des besseren Verständnisses Willen hier separat vorgestellt werden sollen.


Im Rahmen der körperlichen Dimension nimmt das Shi Chuan Pai die Möglichkeiten und Grenzen eines jeden einzelnen Schülers und jeder Schülerin in den Blick. Durch sorgfältiges Einüben und ständiges Wiederholen sowohl traditioneller als auch moderner Kampf- und Selbstverteidigungstechniken und komplexer Kombinationen verschiedener Bewegungsabläufe lernen die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Körper besser kennen und gewinnen ein neues Körpergefühl. Das erstreckt sich von der Verbesserung der Bewegungskoordination bis hin zu einer klaren Körperhaltung mit einer bewussten Körpersprache. Das deeskalative Shi Chuan Pai Kung Fu schult die körperliche Selbstwahrnehmung und Präsenz, so dass in Konfliktsituationen aggressionsabbauend gehandelt werden kann. Die Schülerinnen und Schüler trainieren gezielt, aus der Körperhaltung des typischen „Opfers“(1) herauszutreten in eine Haltung, die Selbstbewusstsein und innere Ruhe widerspiegelt. Eine in sich ruhende Persönlichkeit, die Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit signalisiert, ist als Mobbingopfer uninteressant.


Das Ausüben des deeskalativen Shi Chuan Pais ist nicht an Altersstufen gebunden. Lediglich bei Kindern ist ein Mindestalter von vier bis fünf Jahren vorausgesetzt. Danach ist das Praktizieren von Shi Chuan Pai bis ins hohe Alter möglich. Die besondere Qualität der Arbeit zeigt sich darin, dass Gelenkigkeit, Ausdauer, Kombinationsfähigkeit und Schnelligkeit bei den Reflexen aber auch Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit mit der Dauer des Trainings zunehmen. Das bedeutet, dass neben den körperlichen Aspekten auch mentale oder kognitive Bereiche geschult werden.


Beim Shi Chuan Pai Kung Fu werden kognitive Bereiche gefördert, weil die Schülerinnen und Schüler ihren Lernfortschritt reflektieren und ihre täglichen Handlungsoptionen durch deeskalative Möglichkeiten erweitern lernen. Dabei möchten wir deutlich machen, dass die geistige Entwicklung niemals von der seelischen Entwicklung oder der Entwicklung der Gefühle losgelöst betrachtet werden kann. Aus diesem Grund spricht das Shi Chuan Pai Kung Fu von der kognitiv-emotionalen Dimension. Die klassische, westlich orientierte Vorstellung, Geist und Gefühl würden unabhängig voneinander existierten und zwei verschiedene Bereiche des menschlichen Seins darstellen, teilt das Shi Chuan Pai nicht und formuliert im Einklang mit traditionellen, asiatisch-philosophischen Ansätzen eine ganzheitliche Sichtweise, bei der Emotionalität und Rationalität lediglich als zwei Seiten derselben Sache aufgefasst werden, die sich wechselseitig bedingen.

In diesen Zusammenhang soll die Nähe zu den Grundsätzen der Achtsamkeitsarbeit erwähnt werden, die die körperliche und die kognitiv-emotionale Dimension wertneutral, als gelebte Erfahrungen im Shi Chuan Pai Kung Fu meditativ möglich machen.


Wir können uns intensiv mit unseren körperlichen und unseren geistig-emotionalen Möglichkeiten beschäftigen und versuchen, diese bewusst zu gestalten bzw. zu optimieren. Ohne den anderen Menschen als Gegenüber und als Spiegel unserer Bemühungen werden wir weder auf der körperlichen noch auf der Persönlichkeitsebene eine Weiterentwicklung in Gang setzen. Genau das ist aber beim deeskalativen Kampfkunstsystem das Ziel. Deswegen spielt die soziale Dimension beim Shi Chuan Pai Kung Fu eine zentrale Rolle. In der Auseinandersetzung mit dem/r TrainingspartnerIn lernen die Schülerinnen und Schüler einerseits Rücksichtnahme und eine realistische Selbsteinschätzung und andererseits Fairness und Reaktionsschnelligkeit bei Trainingskämpfen und Wettkämpfen. Damit werden kooperative Fähigkeiten und zugleich kompetitive Fähigkeiten gefördert und eingefordert.


Sifu Joseph Samonte und Sifu Detlef Hammel




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(1) Die Verwendung des Begriffs „Opfer“ erfolgt hier im Sinne des notleidenden, eingeschüchterten Menschen und nicht in seiner subkulturellen Bedeutung als ein sozialer Außenseiter, bzw. „Verlierer“.