1. Thomas Bach: Kampfkunst und Persönlichkeitsentwicklung. Möglichkeiten und Grenzen erzieherischen Handelns beim Si-Chuan-Pai Kung-Fu

Kampfkunst und Persönlichkeitsentwicklung. Möglichkeiten und Grenzen erzieherischen Handelns beim Si-Chuan-Pai Kung-Fu

Teilempirische Facharbeit im Fach Erziehungswissenschaften von
REINHARD-UND-MAX-MANNESMANN-GYMNASIUM
Jahrgangsstufe12
Kursleiterin: Frau Pesch

Inhalt                                                                                              Seite
1. Einleitung                                                                                       3
2. Holistisches Denken kontra westliches
wissenschaftlich-technisches Denken                                                      4
3. Einleitung zur Umfrage                                                                      8
Fragebogen                                                                                        9
3.1 Statistik zur Umfrage                                                                     10
3.2 Auswertung der Umfrage                                                               11
3.3 Fazit                                                                                            13
4. Literaturverzeichnis                                                                         15
5. Selbstständigkeitserklärung                                                               16

1. Einleitung

Ich habe das Thema Kampfkunst und Persönlichkeitsentwicklung gewählt, da ich selbst 13 Jahre Kampfkunsterfahrung habe und mich das Thema somit sehr interessiert. Ich hoffe zu erfahren ob Kung- Fu zur Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes/Jugendlichen beiträgt .

Im folgenden Text werden Unterschiede in der asiatischen und der europäischen Denkweise erklärt und verschiedene pädagogische Werte beschrieben, damit verstanden wird, wie in der Kampfkunst im Vergleich zur europäischen Schule unterrichtet wird.

An hand einer Umfrage unter Kampfkunstschülern soll geklärt werden, ob diese Art von Erziehung in Europa sinnvoll ist und ob die in der Kampfkunst vermittelten Werte im europäischen Alltag angewandt werden können. Der Schwerpunkt in der Umfrage liegt auf dem aggressiven Verhalten. Ich versuche zu beweisen, dass fortgeschrittene Schüler weniger aggressiv handeln, als Anfänger.

Das Nutzen der Kampfkunst versuche ich an hand der Analyse einer eigens erstellten umfrage zu Klären.

2. Holistisches Denken kontra westliches, wissenschaftlich-technisches Denken.

Für diesem Teil der Facharbeit habe ich meinen Kung- Fu Lehrer Sifu Joseph Samonte interviewt. Der Trainer im Shi Chuan Pai Kung-Fu wird „Sifu“ genannt und bedeutet Lehrvater. Ich habe meinen Sifu als Quelle dieses Abschnittes gewählt, da er philippinischer Abstammung ist und von seinen Eltern dementsprechend auch nach ostasiatischen Werten erzogen worden ist. Des weiteren ist er als hauptberuflicher Kampfkunstlehrer und nach über 20 Jahren Kampfkunst mit den Werten dieser Kunst eng verbunden. Die Informationen dieses Kapitels beziehen sich auf das von mir geführte Interview.

Beim holistischen Denken wird der Mensch mit seinen Eigenschaften, Schwächen und Stärken als Ganzes (holos griech: ganz, total) gesehen und nicht in einzelne Aspekte (z. B. Seele/Leib; Psyche/Körper) zerlegt. Das Motto des holistischen Denkens lautet: „Nimm den Menschen in seiner Um- und Mitwelt als Ganzes wahr“. Beim technisch-wissenschaftlichem Denken steht das Zerlegen in Einzelaspekte im Vordergrund. (Ich verstehe das Ganze, indem ich seine Bestandteile begreife)

Zuerst hat Joseph Samonte den Begriff „holistisches Denken“ anhand einiger Beispiele geklärt.

Beim japanischen Bogenschiessen, dem Kydo, liegt das Hauptaugenmerk auf den Ablauf. Das heißt, dass die perfekt ausgeführte Schussbewegung das Ziel ist und nicht das Treffen ins Schwarze. Wird die Bewegung ruhig und richtig ausgeführt und dadurch dann das Ziel getroffen, so sind Körper und Seele des Schützen „eins“. Im Kydo ist der Weg das Ziel.

Beim europäischen Bogenschiessen hingegen ist es das Ziel des Schützen, so viele Punkte wie möglich zu erzielen, damit ein Sieg errungen werden kann.

Als ein letztes Beispiel bevor Joseph Samonte zur Kampfkunst kam, hat er den Erste-Hilfe-Kurs gewählt, den Jugendliche absolvieren müssen, um die Berechtigung zu erhalten, einen Führerschein machen zu dürfen. In Deutschland sitzen viele Jugendlichen einfach ihre Zeit ab und warten auf das Ende des Kurses, um die Berechtigung für den Führerschein zu erhalten. Problematisch wird es aber in einer echten Notsituation, in der es notwendig wäre einem guten Freund erste Hilfe zu leisten. Jetzt wäre es wichtig gewesen, das Lernen der erste Hilfe Techniken als Ziel angesehen zu haben, um dem Freund das Leben zu retten.

In der Kampfkunst wird selbstverständlich auch versucht, immer effektiver zu werden. Dies ist jedoch nicht das Ziel und auch nicht das Gewinnen von möglichst vielen Wettkämpfen. Das Ziel ist es viel mehr die Kampfkunst zu verstehen und ins alltägliche Leben einzubeziehen. So wird zum Beispiel Selbstverteidigung zum Reflex. Dies bedeutet, dass in einer Stresssituation nicht erst nachgedacht werden muss, sondern eine Bewegung quasi automatisch abläuft. Dies zeigt zum Beispiel eine Übung, um sich aus einen „Schwitzkasten“ zu befreien. Hierbei wird man von seinem Gegner mit dem Arm gewürgt. Beim Üben in der Kampfkunstschule merkt man beim Misslingen der Übung, dass einem die Luft weg bleibt. Wenn man hier jetzt nicht aufpasst und ganz präzise lernt, nimmt man Schaden. Erst wenn diese Übung viele Male ausgeführt wird, wird der Bewegungsablauf verinnerlicht und sie geht in das Handlungsrepertoire über. Dadurch entsteht eine ganz neue und intensivere Einstellung zum Lernen.

In ostasiatischen Ländern spielt Respekt/Disziplin eine große Rolle. So ist in den dortigen Schulen der Respekt gegenüber den Lehrern viel größer als in Europa. Dadurch genießt der Lehrer ein hohes Ansehen in der Gesellschaft. Dies hat seine Wurzeln auch in der Kampfkunst, denn ein Meister wird auf Grund seines Wissens von den Schülern stark respektiert. Respekt beruht auf Gegenseitigkeit, so verneigt sich der Meister in der Kampfkunst genau so vor seinen Schülern, wie diese vor ihm, jedoch müssen die Schüler mehr Respekt erweisen und sich tiefer verneigen. Auch heute noch basiert Respekt auf der Zuneigung, die die Lehrenden den Schülern entgegenbringen. Respekt ist in Ostasien das Fundament für jede Form der Bildung. „Bildung ist nicht nur eine Ansammlung von Wissen eines bestimmten Bereiches, sondern auch Allgemeingut über Kunst und Kultur,“ .

Zur Wissensvermittlung nutzen Lehrer in Ostasien eine erhebliche Strenge. Dies ist jedoch keineswegs negativ zu interpretieren, denn der Lehrer nutzt die Strenge aus Sorge um die Schüler. Auch dies findet seine Wurzeln in der Kampfkunst, denn nur durch Disziplin kann Lernen vermittelt werden, in der Kampfkunst zum Beispiel ist es wichtig genau auf seine Deckung zu achten, da es früher oft um Leben und Tod ging. Haben früher Räuber versucht eine Ernte zu stehlen, musste der Kampfkunstschüler in der Lage sein diese zu verteidigen, ohne dabei sein Leben zu lassen. Bei laschem Unterricht würde der Ernst des Lernens nicht klar werden.

Die Orte in denen heute in Europa auf diese Weise gelehrt wird, sind Kampfkunstschulen und im polizeilich- militärischen Bereich. Die Strenge ist wichtig um Hilfe für den Schützenden und den zu Schützenden zu gewährleisten.

Unterschiede zwischen holistischem Denken und wirtschaftlich- technischem Denken werde ich am Beispiel des schulischen Werdegangs in Deutschland von Sifu Joseph Samonte erläutern. Die Erziehung war sehr Autoritär.

„In der Schule durfte ich mehr als meine Eltern gedacht hätten“ . Seine Eltern kennen nur das ostasiatische Schulsystem und dessen Unterrichtsmethoden. Sie gingen also davon aus, dass Joseph Samonte in der Schule immer stillstehen und gerade sitzen musste. In Wirklichkeit jedoch war es in der Schule hier in Deutschland viel lockerer, so dass er in der Schule Kaugummi gekaut hat, was für seine Eltern nicht in Frage gekommen wäre. Haben die Lehrer mit den Eltern von Herrn Samonte gesprochen und über etwas Negatives, wie einen Streich, in der Schule berichtet, so wurde Herr Samonte sofort hart bestraft, denn wenn ein Lehrer etwas berichtet hat, standen die Eltern von Herrn Samonte grundsätzlich auf der Seite des Lehrers, ohne dass dieser sich rechtfertigen musste. Denn wie bereits erwähnt ist der Lehrer in Ostasien „Gott“.

Einem Lehrer wird zugehört und nicht widersprochen. In Europa wird sofort alles hinterfragt. In Ostasien, wie auch in der Kampfkunst wird dem Lehrer nicht widersprochen. Der Lehrer hat demnach die Möglichkeit seine didaktische und fachlichen Vorstellungen umzusetzen, weil er nicht unterbrochen wird. Fragen werden nur gestellt, wenn etwas in der Anwendung nicht funktioniert. In Europa jedoch wird es geschätzt, wenn der Unterricht durch Verständnisfragen oder kritischen Anmerkungen unterbrochen wird. In Ostasien wird dies nicht getan, da die Schüler dem Lehrer vertrauen, da sie, wie auch in der Kampfkunst, das Gelernte auf sich wirken lassen und erst beim Misslingen der Ausführung nachfragen.

Auch an der Art der Erkenntnisgewinnung der Asiaten lässt sich der Unterschied zwischen dem holistischen Denken und dem wirtschaftlich-technisches Denken veranschaulichen. Um Erkenntnis über eine Rose zu gewinnen wird diese in Europa analysiert, also zerteilt, damit der Aufbau erkannt werden kann. Hier besteht der Nachteil, dass die Rose tot ist. In Ostasien ist die Rose: „eine Rose, ist eine Rose, ist eine Rose,...“. Die Rose wird betrachtet, um sie in ihrer Ganzheit verstehen zu können. Sie wird also, wie der Lehrer, nicht unterbrochen, um sie zu verstehen. Der größte Unterschied besteht darin, dass die Rose überlebt.

Die aus dem Interview erhaltenen Informationen über holistischem denken und wissenschaftlich- technischem Denken stimmen mit den Aussagen des Buches „Zen- Buddhismus und Psychoanalyse“ von Erich Fromm überein. In dem Buch wird auf ähnliche Weise zwischen östlichem und westlichem Denken unterschieden.

3 Einleitung zur Umfrage

Das Ausüben von asiatischen Kampfkünsten, am Beispiel des Shi Chuan Pai Kung- Fus hat einen positiven, aggressionsmindernden Einfluss auf die Charakterbildung von Jugendlichen. Mit der Interpretation der folgenden Umfrage versuche ich zu beweisen, dass Shi Chuan Pai Kung- Fu das Selbstbewusstsein, somit auch das Selbstwertgefühl steigert und die Jugendlichen lehrt Autoritäten zu respektieren. Das Selbstbewusstsein wird unter anderem durch das Erlernen von gefährlichen Techniken und somit dem positiven Gedanken, sich in Notsituationen verteidigen zu können, gefördert. Des weiteren erhoffe ich mir von der Umfrage, dass es erkennbar sein wird, dass fortgeschrittene Schüler weniger die „aggressiven“ Antworten ankreuzen als die Anfänger.

Mit aggressiven Antworten ist gemeint, dass in den Items der Umfrage eine Stresssituation geschildert ist, zu der es eine positive, in der Statistik grün markierte und eine meist aggressive, in der Statistik rot markierte Antwortmöglichkeit gibt.

Respekt vor Autoritätspersonen wird vermittelt, da die Anweisungen des Sifus ohne Widerrede ausgeführt werden müssen. Bei Fehlverhalten, wie unterrichtsstörendes Verhalten durch Respektlosigkeit, wird mit Liegestützen bestraft. Hier besteht allerdings die Problematik, dass gelernt wird Autoritätspersonen, wie im Dritten Reich, immer zu gehorchen ohne selbst zu denken und somit an Selbstständigkeit zu verlieren.

Zu der Umfrage ist jedoch zu sagen, dass diese nicht signifikant ist, da nicht genügend Kampfkünstler befragt werden konnten. Demnach ist es nicht sicher, ob Tendenzen erkennbar sein werden.

Für die Umfrage wurden nur Kampfsportler befragt und keine Personen ohne Kampfsporterfahrungen, da dies sonst den Rahmen einer Schülerfacharbeit sprengen würde.

Für die Umfrage wurden 31 Kampfkunstschüler befragt, davon sind 12 weiblich und 19 männlich. In der folgenden Statistik habe ich diese 2 Gruppen in insgesamt 4 Einzelgruppen

weiter geteilt. (In weiblich Anfänger, männlich Anfänger und weiblich Fortgeschritten , männlich Fortgeschritten). Es wurden 7 männliche Personen befragt, die den blauen Gurt tragen oder höher graduiert sind (Fortgeschrittene) und 12 die eine niedrigere Graduierung tragen, als den blauen Gurt (Anfänger). Bei den weiblichen Personen wurden 8 Anfänger und 4 Fortgeschrittene befragt.

Geschlecht: m ÿ w ÿ Alter:____ Graduierung/Gürtel: __________
JA NEIN
1. In der Straßenbahn wirst du von Gleichaltrigen ÿ ÿ
angerempelt. Du rempelst zurück.
2. Du willst über die Straße gehen und eine Gruppe ÿ ÿ
Jugendlicher steht dir im Weg. Du fühlst dich
provoziert.
3. Dein fester Freund/feste Freundin dated seinen/ihren ÿ ÿ
Schwarm. Du wirst sauer.
4. Ein Elternteil kritisiert dich. Du reagierst aufbrausend. ÿ ÿ
5. Ein Lehrer redet hinter deinem Rücken schlecht über ÿ ÿ
Dich. Du sprichst ihn daraufhin an.
6. Ein Kollege beleidigt deine Eltern aufs Schlimmste. ÿ ÿ
Du schlägst direkt zu.
7. Du lässt einen Mitschüler die Hausaufgaben abschreiben. ÿ ÿ
Er liest sie vor und bekommt eine gute Note. Obwohl du
auch eine gute Note gebrauchen könntest, bleibst du ruhig.
8. Jemand tanzt in der Disco an dir vorbei und verschüttet ÿ ÿ
dein Drink. Du bleibst ruhig und bestellst dir einen Neuen.
9. Jemand schlägt auf einem Turnier wiederholt nach. ÿ ÿ
Du bleibst cool.
10. Du wirst auf einem Turnier von einem Punktrichter ÿ ÿ
ungerecht (wiederholt) behandelt. Du kämpfst weiter.
11. Dein Gegner schlägt auf einem Turnier zu hart zu. ÿ ÿ
Du schlägst jetzt auch zu hart zurück.
12. Ein gleichaltriger bedroht deine Freundin/ deinen Freund. ÿ ÿ
Dir reicht es ihn einfach mündlich zu warnen.
3.1 Statistik zur Umfrage

3.2 Auswertung der Umfrage

Item 1: Hier hat nur jeweils ein männlicher und weiblicher Fortgeschrittener „JA“ angekreuzt und rempelt somit zurück. Die restlichen Fortgeschrittenen, also die Mehrheit hat hier die nicht-aggressive Antwort gewählt. Bei den männlichen Anfängern haben 7 von 12 „Ja“ gewählt, sie hätten also in der im Item 1 geschilderten Situation zurückgeschupst und so eventuell den Grundstein für eine Schlägerei gelegt. Die weiblichen Befragten waren etwas vernünftiger und haben nur mit 3 von 8 die aggressive Reaktion gewählt.

Item 2: Bei diesem Item gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen den männlichen Anfängern und Fortgeschrittenen. In beiden Gruppen überwiegt die nicht aggressive Antwort, also die Mehrheit fühlt sich in der beschriebenen Situation nicht provoziert. Bei den weiblichen Befragten haben alle Fortgeschrittenen angekreuzt, dass sie sich nicht provoziert fühlen und bei den Anfängern haben dies nur 5 von 8 gewählt.

Item 3: In dieser Situation werden alle weiblichen und die Mehrheit (5 von 7) der Fortgeschrittenen sauer. Die weibliche Mehrheit der Anfänger hat hier auch „Ja“ gewählt. Hier heben sich die männlichen Anfänger ab, da hier 7 von 12 ruhig bleiben.

Item 4: Bei Kritik der Eltern reagiert die große Mehrheit aller Gruppen nicht aufbrausend, außer die weiblichen Anfänger. Die eine Hälfte reagiert aufbrausend und die andere nicht.

Item 5: Item 5 ist die Situation, in der nicht getestet wird, ob die Personen aggressiv handeln. Hier wird danach gefragt, ob die Personen den Mut aufbringen eine Autoritätsperson anzusprechen, wenn diese schlecht über die befragte Person geredet hat.

Alle männlichen Fortgeschrittenen würden hier auf den Lehrer zugehen und diesen ansprechen. Bei den weiblichen und männlichen Anfängern würde die Mehrheit auf den Lehrer zu gehen. Von den weiblichen Fortgeschrittenen gehen hier 2 auf den Lehrer zu und 2 tun dies nicht.

Item 6: Hier schlagen 3 von 7 männlichen Fortgeschrittenen sofort zu und keine der weiblichen. Von den männlichen Anfängern schlagen 10 von 12 zu und von den weiblichen 3 von 5. Hier wird ein Unterschied zwischen den Reaktionen der Fortgeschrittenen im Gegensatz zu den Anfängern besonders deutlich.

Item 7: In dieser Situation stört es die deutliche Mehrheit der Fortgeschrittenen nicht, wenn ein Mitschüler die abgeschriebene Hausaufgaben vorliest. Nur ein männlicher Fortgeschrittener bleibt hier nicht ruhig. Ruhig bleibt bei den männlichen Anfängern über die Hälfte (8 von 12) und bei den weiblichen Anfängern teilen sich die Meinungen zur Hälfte.

Item 8: Über die Hälfte der männlichen Fortgeschrittenen und der weiblichen Anfänger bleiben in dieser Situation cool und bestellen sich einfach eine neues Getränk. Die Mehrheit der weiblichen Fortgeschrittenen und der männlichen Anfänger bestellt sich hier kein neues Getränk.

Item 9: In dieser Turniersituation stimmen die Antworten aller Gruppen überein. Bei wiederholtem Nachschlagen des Gegners bleibt hier die große Mehrheit aller Befragten ruhig und kämpft somit nach den Regeln weiter.

Item 10: Auch bei ungerechten Behandlung durch den Punktrichter auf einem Turnier kämpft die deutliche Mehrheit aller Gruppen weiter.

Item 11: In dieser Situation wird ein großer Unterschied zwischen den Handlungen von Fortgeschrittenen und Anfängern deutlich. Bei zu hartem Schlagen des Gegners kämpft die Mehrheit der Fortgeschrittenen mit normaler, von den Regeln erlaubter Härte weiter. Die Mehrheit der Anfänger kontert hier mit zu harten Schlägen und verstößt somit auch gegen die Regeln.

Item 12: Hier reicht es dem größtem Teil der Befragten aus, die Person einfach mündlich zu warnen. Jedoch tun dies bei den männlichen Fortgeschrittenen nur 4 von 7. Bei den anderen Gruppen ist der Unterschied zwischen denen die mündlich warnen weitaus höher.

3.3 Fazit

Tendenzen sind schwer zu erkennen, da die Items 2, 7, 8, 9, 10 und 12 zu ähnlich beantwortet

wurden.

Bei der Frage 7 könnte es daran gelegen haben, dass die befragten Personen mit ihren Mitschülern befreundet sind. Einem Freund nimmt man es auch nicht Übel, wenn er den Ruhm für eine Kleinigkeit, wie das Vorlesen von Hausaufgaben, geerntet hat.

Beim Item 8 könnte es ein Problem gegeben haben, weil nicht jedem klar gewesen sein könnte, was passiert, wenn man sein Getränk nicht wieder bestellt. Man könnte das Getränk aus dem Grund nicht neu bestellen, weil man nicht noch einmal Geld ausgeben möchte.

Übereinstimmung beim Item 10 könnte auf Grund des Willens, nicht aufzugeben, aufgetreten sein.

Es reicht den meisten beim Item 12 die Person mündlich zu warnen, da ein sofortiger Angriff auf die Person viel zu brutal sein würde.

Ein Unterschied in den Handlungen zwischen Fortgeschrittenen und Anfängern wird bei den Items 1, 6 und 11 deutlich.

Beim Item 1 rempeln die Fortgeschrittenen nicht zurück, da sie wissen, dass dies zu einer Schlägerei führen kann. Aus dieser Situation geht hervor, dass Frauen/Mädchen allgemein weniger aggressiv sind als Männer/Jungen, da nur sehr wenige der weiblichen Anfänger und Fortgeschrittenen zurückrempeln.

Auch beim Item 6 sind es die männlichen Anfänger, die besonders aggressiv handeln. Auf die Beleidigung ihrer Eltern antworten sie sofort mit Brutalität. Die weiblichen Personen und die männlichen Fortgeschrittenen wissen sich in dieser Situation zurückzuhalten.

Ähnlich ist dies auch bei der Situation 11. Jedoch antworten hier die weiblichen Anfänger auch mit Brutalität. Es könnte daran liegen, dass die weiblichen Anfänger sich darüber im Klaren sind, dass sie auf einem Turnier nicht mit rechtlichen Folgen rechnen müssen und das Siegen des Kampfes im Vordergrund stehen.

Es besteht auf Grund der Items 1, 6 und 11 die Tendenz, dass Kampfsport zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt, in dem die Fortgeschrittenen Ruhe zeigen und sich nicht so schnell provozieren lassen. Es geht auch hervor das Frauen allgemein auf der Strasse nicht so aggressiv handeln wie Männer. Jedoch zeigen sie auf einem Turnier, wie in Item 11 beschrieben, dass sie auch aggressiv handeln würden, wenn es wie auf dem Turnier keine rechtlichen Folgen gäbe.

Dies sind aber wie gesagt nur Tendenzen. Man hätte noch viel mehr Personen befragen müssen, so dass die Tendenzen genauer sein würden und sich die Fortgeschrittenen auch in den Fällen abheben könnten, in denen die Unterschiede hier zu gering waren.

Mit dem Ergebnis dieser Umfrage bin ich unzufrieden, da ich mir erhofft hatte, dass die Tendenzen deutlicher sein würden und ich somit genauer beantworten könnte, ob Kampfkunst zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt.

4. Literaturverzeichnis

Samonte, Sifu Joseph : unveröffentlichte Interviewmitschrift 2006
Stein Gertrude : Gedicht „Sacret Emily“ von 1913 – veröffentl. 1922 im Buch Geography and Plans http://de.wikiquote.org/wiki/Gertrude_Stein (26.03.2006)
Original: „A rose, is a rose, is a rose,...“